Wartezeit · Warteliste
Auf der Warteliste. Keine Rückmeldung.
Du stehst auf drei Listen, hast seit Wochen nichts gehört und weißt nicht, ob Nachfragen aufdringlich wirkt. Es wirkt nicht aufdringlich. Es ist der normale Weg.
Was eine Warteliste bedeutet, und was nicht
Eine Warteliste ist kein Versprechen und keine Reihenfolge, die jemand für dich im Blick behält. Viele Praxen führen sie formlos. Frei werdende Plätze gehen oft an die Person, die gerade erreichbar ist und deren Zeiten passen. Deshalb darfst und solltest du auf mehreren Listen gleichzeitig stehen.
Zur Einordnung: Laut einer Auswertung der Bundespsychotherapeutenkammer vergingen vom Erstgespräch bis zum Therapiebeginn im Schnitt 142,4 Tage (Erstgespräche im ersten Quartal 2019), bei mehr als zehn Prozent über ein Jahr. Wenn du seit sechs Wochen wartest, bist du nicht vergessen worden. Du bist im Durchschnitt.
Welche Fristen tatsächlich gelten
Für Wartelisten auf einen Therapieplatz gibt es keine gesetzliche Frist. Fristen gibt es für die Schritte davor: Die Terminservicestelle 116117 vermittelt innerhalb einer Woche einen Sprechstundentermin, der höchstens vier Wochen entfernt liegt, und bei dringendem Bedarf eine Akutbehandlung innerhalb von zwei Wochen. Hast du die Sprechstunde noch nicht gehabt, ist das dein erster Anruf.
Hast du sie gehabt und auf dem PTV 11 steht „zeitnah erforderlich“, kannst du mit dem Vermittlungscode die Akutbehandlung in Anspruch nehmen, während du weiter auf den regulären Platz wartest.
Nachhaken, ohne sich zu verbiegen
Eine kurze Nachricht alle drei bis vier Wochen reicht. Sie hält dich auf der Liste präsent und zeigt, dass du noch suchst.
- Nenne Name, Datum des Erstkontakts und dass du weiterhin interessiert bist.
- Nenne deine freien Zeiten konkret. Flexibilität ist das häufigste Kriterium bei frei werdenden Plätzen.
- Frag, ob es sinnvoll ist, in vier Wochen wieder nachzufragen. Die Antwort sagt dir, wie realistisch die Liste ist.
- Notiere jede Nachricht und jede Antwort. Falls du später Kostenerstattung nach § 13 Absatz 3 SGB V beantragen willst, ist das dein Nachweis.
Wenn es in der Wartezeit schlechter wird
Warten kann zermürben. Wenn du merkst, dass es dir deutlich schlechter geht, ist das kein Grund, weiter still zu warten: Ruf die 116117 an und frag nach einer Akutbehandlung, oder wende dich an deine Hausärztin oder deinen Hausarzt. In einer akuten Krise ist die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 rund um die Uhr erreichbar.
Eine Möglichkeit für die Zwischenzeit
Die Wartezeit nutzen
Viele Menschen kommen nach Monaten des Wartens ins Erstgespräch und merken, dass sie ihr Anliegen gar nicht mehr in Worte fassen können. PsyEdu ist eine Möglichkeit, das zu verhindern: Du bringst konkrete Situationen mit, bekommst Rückfragen und psychologische Modelle als Blickwinkel, und findest deine Antworten später wieder. So entsteht über die Wochen eine Liste von Fragen, die du in der Therapie ansprechen willst.
PsyEdu stellt keine Diagnosen und ersetzt keine psychotherapeutische Behandlung.
PsyEdu kostenlos ausprobierenQuellen
- BPtK, Pressemitteilung vom 9. Dezember 2022: Psychisch Kranke warten 142 Tage auf eine psychotherapeutische Behandlung
- 116117.de: Psychotherapie – Sprechstunde, Akutbehandlung, Terminvermittlung
- BPtK: Weiterhin Anspruch auf Kostenerstattung in psychotherapeutischer Privatpraxis (2018)
Herausgegeben von PsyEdu. Angaben zu Fristen und Kontingenten beruhen auf den verlinkten Quellen, Stand Oktober 2026. Sie ersetzen keine Beratung durch Fachpersonen oder deine Krankenkasse.